... unser neuestes Lied ist erschienen "Tristesse"

Im Umfeld im Wochentakt Veränderungen und der Versuch einer Pandemie Einhalt zu gebieten.
Der Ton zwischen uns wird rauher, die Tage werden dunkler und Abschied prägt unsere Wirklichkeit. Zum Trost habe ich mir vielleciht selbst ein Lied geschrieben und wünsche mir von ganzem Herzen, dass es auch ein wenig Trost spenden möge, da wo Worte es nicht vermögen.
AVENIR. Die Zukunft ist Musik

Der vierte Eintrag

Mit Anais van Eycken

„Wo immer die Tanzende mit dem Fuß auftritt, da entspringt dem Staub ein Quell des Lebens“
Muhammad Rumi 



Sieben Mal hatte ich nun das Vergnügen mit der Kompanie Irene K. aus Ostbelgien in diesem historischen Sommer auf der Wiese, der Straße, dem Pflasterstein, der Bühne vor Publikum zu stehen… 
Wir haben im Rahmen des Tanzartfestival im Mai begonnen live und Open Air einige Stücke zum Thema Wasser mit dem Körper und der Musik als Gesamtkunstwerke zu entwickeln, wobei ich neben dem Gesang ebenso die technische Seite durch den Einsatz der Loop-Station klangstark in Szene setzen durfte. 

Ich bin besonders dankbar, dass Irene K. es möglich gemacht hat im Grünen, auf dem Pflasterstein der Innenstädte, mitten im Wald, im Team mit anderen internationalen Kompanien, manchmal ganz solo, Räume für Begegnungen in der Kunst und der Musik zu schaffen, wo wir uns austoben und ausdrücken durften. Und unser Bemühen auch auf Menschen auf Ohrenpaare und Augen und Herzen traf, die vielleicht ebenso wie wir nach Leben dürsteten. Laute Musik, eindringliche Bewegungen, Ausdruck, Direktheit, jetzt, gemeinsam, einen Handstreich entfernt, spontan, unbekannt, synchron. 

So, wie sich während eines Singens im Chor die Atmung synchronisiert, so gleicht sich beim gemeinsamen Erleben einer Performance durch die Musik, den Beat und die spürbare Energie der Herzschlag an.
Ich bekomme immer Gänsehaut, wenn die Bewegungen zu mir sprechen und mir nahe gehen. 

Mitten im Prozess des Schaffens mit allen Unwägbarkeiten der Gegenwart bin ich häufig auch an Hürden gestoßen. 
Warum sehen Tänzer*innen so anders (im Sinne von schauen) ,nehmen einen anderen Raum ein, oder regieren für meine Empfindung fast wie auf einem anderen Kanal, als ich das von meinen Begegnungen mit Sänger*innen oder Musiker*innen kenne?
Wenn ich in einem Raum mit Tänzer*innen bin, habe ich oft den Eindruck, dass Zeit keine Rolle zu spielen scheint, dass auch das Tempo innerhalb der Gruppe, zu der ich ja auch dann gehöre, anders wird, langsamer, bedächtiger.

Was sind die Gemeinsamkeiten von Tanz und Musik? 

Ich habe Fabio gefragt, wo er die Gemeinsamkeiten sieht und er sagt, es ist beides Kunst, findet aber Musik viel strenger, dadurch, dass uns der Rhythmus vom Musikstück diktiert wird, die Zeitlichkeit in seinen Augen mathematisch ist. Beim Tanz wird die Bewegung als Ganze erzählt und nicht wie die Bewegung, die in den Takt nicht hineinpasst.
Manchmal wird die selbe Choreografie gefestigt, indem sie auf verschiedene Musik getanzt wird, damit die Energie klarer wird.


Das fand ich wiederum sehr interessant, denn im Gesang geht es von Anfang an um die Ausführung, um die technische Beherrschung, den Ausdruck der einzelnen Phrasen, aber wir bringen nicht unser eigenes Tonmaterial mit, üblicherweise. Wir legen unseren eigenen Text nicht fest, eigentlich. Deshalb sind wir Interpreten. 
Diesmal aber war es so, dass ich selbst Musik mitgebracht habe und selbst die Energie und den Text mitgebracht habe.
Durch die gemeinsame Energie im Raum, musste ich für mich finden, was passt, was den Ton des Stückes, die Textur abbildet, war also auch Komponistin und Dichterin. 

Eine aufregende Sache und wir sind sogar als Gastspiel für den Sommer in Italien gebucht. Da freut sich mein Sängerinnenherz, denn Italia, das Land der Oper, la lingua dell´Opera. Dort die Arie der Traviata „Sempre Libera“ zu performen, ist für mich ein Traum, der wahr wird. 

Und an alte WUNDER zu glauben, ist ein derart schönes Vergnügen…
das ruft nach einer Fortsetzung.

 

 

"Cycle" Ein Stück mit der Kompagnie Irene K

TANZENDE STADT, DANSE EN VILLE, TANZ FESTIVAL DE DANCE , EUPEN 210905 COMPAGNIE IRENE K. (B/D) # CYCLE CHOREOGRAFIE: IRENE KALBUSCH TANZ: NONA MUNNIX, KAROLINA KARDASZ, NINA PLANTEFÈVE CASTRYCK VOICE AND SOUND: IRMKE VON SCHLICHTING MUSIC RIGHTS: (Unter Vorbehalt der Richtigkeit) GLORIA IN D MAJOR, RV 589 # TIME IN VIDEO 2:36 MIN OXFORD SCHOLA CANTORUM NOTHERN CHAMBER ORCHESTRA NICOLAS WARD, JEREMEY SUMMERLY video @ martin thomas photogrpahy IPHONE # HD HIGH DEFINITION ## NOTICE: THE PREVIOUS VERSION HAS BEEN DELETED, BECAUSE AN HD VERSION WAS NOT MADE.

Der dritte Eintrag

Blog: der dritte Eintrag

Seit Monaten, genau genommen seit November 2019 war ich nicht auf einem klassischen Konzert. Damals war es ein Klavierabend mit Bachsuiten und Goldbergvariationen… hervorragend vorgetragen, ein Meisterwerk!


Und was bemerkte ich wieder: Das Publikum war ausschließlich älter als ich selbst (und der Pianist: Kyrill Korsunekno) und ich bin nicht jugendlich möchte ich der Vollständigkeit halber dazu schreiben.
Dazu habe ich folgende Fragen:
Wenn ich einst einmal alt werden werde, werden die Besucher*innen eines klassischen Konzertes dann auch genauso alt sein wie jetzt?
Also IST klassische Musik einfach für die Altersstufe gedacht, die genug Zeit dafür hat sich mit Inhalten auseinander zu setzen? Das soll nicht heißen, dass es in anderer Musik nicht um Inhalte ginge, aber ich versuche damit das Vorurteil zu benennen, dass man sagt, es müsste viel Vorwissen zum Genuss der Klassik vorausgesetzt werden.
Oder werden wir eine Zeit erleben, in der „die ALTEN“ zu alt sind und keine jüngeren Alten mehr nachkommen?
Woran liegt es eigentlich, dass sich das subventionierte Klassikgeschäft (noch) lohnt?
Wer ist bereit so viel Subventionen für einen Musikzweig bereitzustellen, der sich finanziell nicht im Mindesten selbst trägt?
Und wird diese Subventionslandschaft einmal enden?
Hat das Ende möglicherweise bereits begonnen?
Und ich weise daraufhin, dass ich diesen Musikzweig unendlich genieße, aber mir diese wirtschaftlichen Fragen seitdem intensiv stelle, seit ich ein 5-Köpfiges Ensemble durch die Pandemie hindurch begleite.

Nun zum Eigentlichen: viermal ist es den Veranstaltern gelungen, je zweimal in Aachen und Monschau, den international renommierten Cellisten Benedict Kloeckner mit verschiedenem Programm vorzustellen. Am ersten Abend in der Salvatorkirche in Aachen waren die Zentralwerke die Cellosuiten von Johann Sebastian Bach
und am zweiten Abend war es ein Duoprogram mit Cello und Violine und hierbei war das Zentralwerk die Duosonate von Ravel.
 

Und was mich so beeindruckt hat: da war nichts. Kein Licht, das Atmosphäre geschaffen hätte, kein Ton, der abgenommen, gemischt oder mit Hall oder Effekten versehen wurde, nur die Kirchenbeleuchtung und der Raumklang der Kirche und ja, die Hauptsache: dieser Mensch mit seinem Cello.

Ich lauschte, und lauschte: beeindruckend die Suite Nr. 5 in c-Moll von J.S. Bach,  auf dem Musikhistorischen Teppich gelegt von Florian Koltun und dann das Zentralwerk: die Suite Nr. 6 in D-Dur.

Bei der Gavotte konnte ich dann nicht mehr anders, als die Emotionen über diesen intensiven gemeinsamen Moment mit dem Publikum, mit dem großartigen Künstler Kloeckner, in dieser nachflutsituation freizulassen. Zum Glück konnte ich meine Tränen unter der Maske verbergen, sodass Niemand von meiner Privatemotion in seinem persönlichen Musikgenuss gestört wurde.

Und wieder habe ich Fragen:
Wenn mich die Bachsuite von Benedict Kloeckner zu Tränen gerührt hat, bin ich dann geläutert? Und bin ich geläutert von Bach oder bin ich geläutert von Kloeckner? Oder beides?
Wäre dieselbe Wirkung auch durch einen Tonträger passiert?
Ist es Naivität, dass ich diese Suiten zum ersten Mal live mit diesem Meistercellisten hörte, oder Ignoranz, dass ich mich diesem Werk nicht früher gestellt habe?
Wenn ich dieses Erlebnis mit einem Tonträger bereits früher vorweggenommen hätte, hätte das Livekonzert gestern dieselbe Wirkung entfacht?

Oder ist nur die Verbindung Kloeckner, Bach, v. Schlichting ausschlaggebend dafür geläutert zu sein?

Wäre es ohne mein „geläutert sein“ dasselbe Konzert für die anderen Besucher*innen gewesen.
Habe ich als Publikum einen Auftrag oder eine Mitaufgabe?

Wie kann ein Mensch mit Cello einen ganzen Konzertsaal so in den Bann ziehen, dass man meint, die Zeit bliebe stehen?

Falls Sie beim Lesen eine Anmerkung haben, freue ich mich über Ihre Einschätzung zu meinen Erlbnissen.







 

Der zweite Eintrag

Pressetext

Da kein anderer Artikel in der Timeline des Grenzechos auf Facebook so viele Kommentare gegen die Art und Weise der Durchführung des Nationalfeiertags in Eupen bekommen hat, möchte ich hier gerne die Presseerklärung der Veranstalter nochmals anhängen. Ich bin der Meinung, dass sich die Organisation sehr stark damit beschäftigt hat, auf welche Weise die geplanten Veranstaltungen mit minimalstem technischen Aufwand überhaupt möglich sind, ohne der stark gebeutelten Kulturszene noch mehr Leid zuzufügen. Ich möchte daran erinnern, dass viele Künstler*innen ihren Beruf seit 18 Monaten nicht mehr ausüben konnten.


Hier geht es m.A. nach nicht darum Leid gegen Leid aufzuwiegen, sondern um „helfen und helfen lassen“. Wir sehen ja auch nicht auf die Bäcker und verbieten denen ihr Geschäft, die nicht von den Fluten weggerissen wurden, um der betroffenen Filiale den größtmöglichen Umsatz zu ermöglichen.


Ich wünsche mir inständig, dass Kultur, Musik und Theater ebenso als selbstverständlicher Teil unseres Lebens gesehen wird, wie unser täglich Brot. Und ich wünsche mir, dass jedes Mal, wenn wir das Radio einschalten, ein Buch aufschlagen oder einen Film anschauen, dass wir uns darüber im Klaren sind, dass dies das Werk von Künstler*innen ist, die auch dann ihre Arbeit machen, wenn gerade Niemand hinschaut.

In Wuppertal, der Stadt in der ich einen großen Teil meines Studiums verbracht habe, ist die Hochwasserkatastrophe allerorts zu spüren. Ich habe viele Freunde dort, die stark betroffen sind.
Was mir aber besonders Respekt abnötigt, ist das Benefizkonzert für die Opfer der Hochwasserschäden.

 
Befreundete wuppertaler Künstler habe innerhalb der Kulturszene ein Konzert veranstaltet und über 20 000 € gesammelt, um den Opfern zu helfen.
Dieses progressive verhalten und Miteinander in Solidarität imponiert mir und ich habe Ähnliches im Rahmen des Nationalfeiertages Eupen erlebt. Viele Künstler spendeten Teile ihrer Gage, um die Eupener Betroffenen zu unterstützen. Es wurde den ganzen Tag aktiv Spenden gesammelt, um direkt und unbürokratisch zu helfen


Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Unser Konzert an der Grenzkunstroute zwischen Deutschland und Belgien am 15.08.2021 um 16 Uhr erkläre ich zum Benefizkonzert für die Opfer der Flutkatastrophe in Aachen und Eupen.

 

Der erste Eintrag

Sommerzeit

Ein Blog ein BLOG!



Sie sind hier gerade auf diese Seite aufmerksam geworden?
Oder haben durch Zufall von dieser Sopranistin mit dem großen Ausdruckswillen gehört?


Willkommen zu meinem ersten Enitrag!
Hier habe ich durch „Sympatexter“ beeinflusst den Mut gefasst meinen ersten schriftlichen Beitrag zu teilen.



Was erwartet Sie in den folgenden Blogbeiträgen?
Zunächst einmal ein unregelmäßiger und persönlicher Einblick in die Musikszene der klassischen Musik aus Sicht einer Sopranistin. „The female in Opera“ sozusagen.



Ich selbst bin mit sechs Geschwistern aufgewachsen und bei uns wurde immer musiziert. Familie nimmt in meinem Leben daher einen großen Raum in meinem Herzen ein. In meinem Leben, ja, aber sonst?

Die Aktivität in den sozialen Medien ist für mich als Sopranistin ein Meilenstein geworden. Zunächst habe ich diese Form der Selbstdarstellung argwöhnisch betrachtet und mich selbst immer als Besucherin am Zaun stehend empfunden.


Durch die Intensivweiterbildung, der „Masterclass“ für Frauen in der Musikbranche mit der großartigen Imke Machura, nahm ich mich erstmals als Akteurin war, als Macherin und demnach als ein wichtiger Teil innerhalb der stark männlich traditionalisierten Welt der Klassik.


Wichtig, da anders, da feminin, da in der Minderheit, da Mutter, da selbstständig, da wenig repräsentiert, da die eigentlichen Schwierigkeiten als Macherin mit zwei Kindern nicht darin liegen, „wie ich eine Website mache?“ oder „Wie release ich einen Track?

(dt: wie veröffentliche ich ein Musikstück), sondern: „wie grenze ich mich innerhalb der Familie vom Mental Load (dt. von der gedanklichen Beschäftigung mit den Anforderungen des Familienalltags) ab“, um genug Zeit zum Üben zu haben oder: „wie wird mein Kind auf Tour betreut, wenn Mama und Papa gemeinsam auf der Bühne stehen?“ „Was mache ich, wenn im Sommer der Kindergarten zwei Monate geschlossen bleibt und ich als Selbstständige keine Ferien habe?“



„Kann ich guten Gewissens an einer vier-tägigen Messe teilnehmen, um mein Ensemble bekannt zu machen?“ und „Nehme ich mein Kind mit dahin?“, „Was mache ich, wenn ich zu einem Meisterkurs fahre?“, „Wer betreut mein Kind während der Unterrichtsstunden?“

Onlinevorlesung, prima! Aber „wie kann ich konzentriert zuhören und folgen, wenn mein Kind eine Spanne von zwei Stunden nicht einfach ohne Weiteres überbrückt?“



Um diese Fragen wird es gehen und natürlich auch um die Musikbranche, um Lyrik, um Kunstlied, um Unterrichten, um Frauen in der Musik, um die Frage, wie wir gemeinsam eine lebendige Musiklandschaft in der klassischen Musik gestalten. Und dazu, liebes Publikum, das hat uns Corona gelehrt: gehören die Interpret*Innen ebenso wie die Rezipient*Innen.